Christiane B. Bethke
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Streuungen  –  Neue Arbeiten mit Farbpigmenten

Ein Text, der verspricht, Kunst zu begleiten und zu verstehen, kommt oft etwas hölzern daher, zumal wenn es sich um so fragile und temporäre Kunstereignisse handelt wie die Installationen „Streuungen von Christiane B. Bethke. Doch befreien wir uns einmal von dem Bedürfnis, Kunst erklären zu wollen und wagen es, uns Worte „streuend den Arbeiten der Künstlerin zu nähern. Der Text als Wortstreuung – Worte, die angehäufelt, lose beieinander liegen und  doch ein Beziehungsgeflecht bilden. Wortstreuungen also – genauso leicht, schön, beweglich, prozesshaft wie die Streuungen Bethkes.
 
Erste Wortstreuung:  Raum - Feld - Beziehung
Wir sind gewohnt, uns den Raum dreidimensional vorzustellen mit einem festen Boden, Wänden und einer Decke. Menschsein hieße dann: Leben in einem mehr oder weniger großen „Container". Bewegen wir uns entlang der Denkpfade neuzeitlicher Philosophen wie Heidegger, Sloterdijk, so ist unser Dasein räumlich zu sehen, aber nicht als ein dreidimensionales Körperbehältnis, das wiederum in einem größeren Behältnis lebt, sondern als energetisches Feld. Unser Daseins haben wir uns als komplexes Beziehungsgeflecht vorzustellen, worin es Resonanzen, Häufungen, Verknotungen und Lösungen gibt.
 
Dieser Gedanke, dass der Raum und auch wir selbst ein resonantisches Beziehungsgeflecht sind, verknüpft sich leicht und schwebend mit Bethkes  Rauminstallationen.  Solche Kunsträume  zeigen einerseits Ordnung und Struktur in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Werkphasen. Andererseits ziehen sie uns durch eine verführerische Leichtigkeit, Fragilität und Zufälligkeit in ihren Bann.  Wir erahnen die gespannte Konzentration beim Umgang mit den Materialien: kein Blasen, kein Staub, keine falsche Bewegung, dennoch eine extreme Wachsamkeit für den sich bietenden Zufall in der Ordnung.  Dieser Balanceakt zwischen Kalkül und Unvorhergesehenem, zwischen dem Befolgen von Regeln und dem Einlassen auf das Unwahrscheinliche zeichnet das Erlebnis in und mit den Rauminstallationen Bethkes aus. Es sind genau die Kriterien, die in den „Raumphilosophien zeitgenössischer Denker entfaltet werden. Es geht um das Wagnis, nicht mehr substantiell zu denken, d.h. von einer Grundlage der festen und dauerhaften Substanzen aus die Welt  zu entwerfen, sondern sich dem Beweglichen, dem Flüchtigen, dem Ereignis und der Konsonanz des Augenblickes anzuvertrauen.

 
 
Zweite Wortstreuung:  Zeit - Ereignis - Vergänglichkeit
Welchen Wert geben wir einem temporären Werk, das nur an diesem Ort, zu dieser Zeit und auf diese Weise existiert? Traditionell binden wir unsere Wertschöpfung an das „Sein" und diesem Sein sprechen wir Strukturen des  Unvergänglichen zu, auch wenn wir es nicht mehr unbedingt im Metaphysischen suchen. Wir sind bestrebt, Inseln der Zeitlosigkeit zu schaffen, etwas vor dem unaufhaltsamen Vergehen zu retten und zu bewahren. Dieses Bemühen leitet unser Tun sowohl in der materiellen wie in der geistigen Welt.

Wir schaffen Archive des Wissens, Mauern und Festen.  Die Werke Bethkes feiern den Augenblick – Sein und Zeit, Sein in Zeit. Es entsteht ein anderer Blick auf die Qualitäten des Seins, wenn das Ereignis gefeiert wird: Es zählt die Intensität der Wahrnehmung, das Gegenwärtigsein, das Einmalige, der Zufall in dem Sinne, dass er wirklich „zu" mir kommt. Doch das Loblied auf den Augenblick kann das leichte Unbehagen, das uns überkommt, wenn wir uns eine Welt ohne dauerhafte Strukturen konstruieren, nicht ganz beseitigen. Die Künstlerin nähert sich auch hier in ihrem Werk einem Ausgleich der zwei widersprüchlichen Weltentwürfe.
Im Experiment mit dem Temporären baut sie auf den Akt der Wiederholung.  Unsere Vorstellungen von der Einmaligkeit des Augenblickes werden mit dem Moment der zu jeder Zeit und an jedem Ort möglichen Wiederholung verbunden und erhalten damit eine neue Qualität. Wenn wir uns nicht mehr in einem linearen Zeitraster sehen, dann überlassen wir uns dem Abenteuer des Verflechtens von Ereignissen im Zeichen der bejahenden Wiederholung.
 
Dritte Wortstreuung:  Energie - Kraft - Wirksamkeit
Mit einer weiteren Wortstreuung umkreisen wir die energiegeladenen Rauminstallationen Bethkes.
Das Wort Energie kommt aus dem Griechischen, bedeutet ursprünglich soviel wie Wirksamkeit und
Aristotels hat diesen Begriff in die Philosophie hineingebracht. In der modernen Physik entfaltete sich ein physikalischer Energiebegriff, der exakt gemessen werden kann. Doch überlassen wir den Energiebegriff nicht der Physik und der Wirtschaft mit ihren Spekulationen über vorhandene und nicht vorhandene Energielieferanten und laden den Begriff wieder auf mit all den Vorstellungen und Erläuterungen, die er im Laufe der Zeit hatte, dann kommen wir zu einer sehr zarten Berührung von Wissen und Ästhetik, von Schönheit und Materie.
 
Aristoteles Dimensionen der Lebendigkeit, die Erkenntnisse der Physik und ihre Umsetzungen in der Technik finden sich zusammen in den inszenierten Räumen Bethkes und verbinden sich mit dem Erlebnis von Licht, Farbe, Ordnung und Wiederholung. Die auf Glasplatten gestreuten leuchtenden Pigmente markieren ein Kraftfeld von ungeheurer Wirksamkeit. Im Erleben dieses Farb- und Lichtraumes werden auch für den Betrachter die Bedingungen dieser Wirksamkeit einsichtig: Präzision, Schönheit, Konzentration.
 
Die Werke der Künstlerin Christiane B. Bethke fallen aus dem Rahmen und setzten dennoch einen klaren Rahmen, sie lassen sich nicht einordnen, wiewohl sie Struktur und Regeln haben. Ihre Rauminstallationen sind vergänglich und lebendig, fragil und wirksam.

 
Eva Degenhardt,  2008
 
 
 
 
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Zu Neuem Zerlegen
Gewohntes aufzubrechen und in Neues zu Zerlegen ist für die Künstlerin Chrisitane B. Bethke wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit; sie entwickelt eigenwillige Raumsituationen und fordert den Betrachter zu neuen Standortbestimmungen auf. Ihre Installationen stehen in engem Zusammenhang zu konkreten Räumen, die fragil, vielschichtig und aus verschiedenen Perspektiven heraus zu untersuchen sind. Ihre situativen Installationen verändern die Raumwirkung, spielen mit der Irritation des Betrachters und brechen gewohnte Sichtweisen auf.
 
Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen Juliane Petersen, 2005
 
 
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Raumdialoge
Die Künstlerin Christiane B. Bethke begegnet Räumen als Bildhauerin. Ihre visuelleund emotionale Wahrnehmung einer spezifischen Raumsituation sind der Beginn eines plastischen Prozesses, mit dem die Künstlerin von ihrem Motiv, dem Raum, Besitz ergreift. Da es sich bei ihren Installationen immer um temporäre Eingriffe handelt, wird der Ort durch ihre künstlerischei Arbeit zur Bühne auf Zeit.
 
Das Zusammenspiel von Raum und den Installationsobjekten erzeugt eine höchst verdichtete Atmosphäre, die eine neue Sicht auf den vorgefundenen Raum ermöglicht. Sie geben dem Ort eine Aura und füllen ihn mit neuer Kraft. Die Fotografien der nicht mehr existierenden Installationsorte sind neben anderen Raumaufnahmen teil ihrer bildnerischen Arbeiten. Mit den Mittel der Malerei und Fotocollage beginnt die Bildhauerin diese "Bilder" zu bearbeiten, um mit ihnen analog zu ihren Veränderungen der Realität durch ihre Installationen eine neue Bildwirklichkeit entstehen zu lassen. Es entstehen vielfältige Irritationen über den Bildraum, den Inhalt wie über die Oberfläche und die Schnittkanten. Die Künstlerin Christiane B. Bethke tritt mit ihren Installationen, Projektionen und Bildobjekten in einen Dialog mit der Welt. Es sind Imaginationen, die andere Sichtweisen auf die Welt herausfordern und den Blick für neue mögliche Wirklichkeiten öffnen.
 
Gabriele G. Teuteberg, 2005
 
 
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Sinfonien in Grünen
Christiane B. Bethke beschäftigt sich vor allem mit Installationen, die in den tatsächlichen Raum eingreifen. Sie sind Reflexion über den Ort, für den sie entstehen. Grundsätzlich fragt sich Bethke nach der Realität eines Raums und untersucht mit ihren Arbeiten auf behutsame Weise die möglichen Funktionen und Fantasien, aus denen sich ein Raum erst zusammensetzt. Dies gilt auch für das Glashaus, ein Ort, in dem Innen und Außen miteinander verschmolzen sind.
 
Die Installationen von Christiane B. Bethke machen die Implikate sichtbar, die dazu führen, das aus einem formalen Raum ein spezifischer, erfahrbarer Ort wird. Die "Sinfonien im Grünen", so der Titel der Installation, führen dabei zu einer neuen und persönlichen Sicht, nicht nur auf das Glashaus.
 
Glashaus, Mönchengladbach  Erik Schöneberg, 2005
 
 
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Dimensionen
Die Künstlerin Christiane B. Bethke arbeitet intensiv in den Bereichen der Installation, Malerei und Fotografie und erkundet in diesen Arbeitsfeldern die Beziehungen zwischen Innen- und Außenraum. Ob es sich bei ihren Installationen um Türen und Fenster handelt, zerlegt und in neue Kontexte gesetzt, oder bei ihren Bildern um Foto- und Textfragmente – die genuinen Prinzipien ihrer Arbeit sind zerlegen, verwandeln, erneuern. Dabei bilden ein Schwerpunkt ihre temporären Installationen, die in einem engem Bezug zu konkreten Orten stehen und den Betrachter auf irritierende Weise mit einer neuen Verschiebung der Wirklichkeit konfrontieren. Seit einigen Jahren werden ihre Arbeiten metaphorischer und vielschichtiger. Temporäre Installationen mit einem engen Bezug zu einem konkreten Ort, werden fotografiert, und diese Fotos in Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt.
 
Diese Fotocollagen werden dann auf neue Installationen projiziert oder in Koffern auf Reise geschickt. Subtil taucht das Thema der Baustelle in ihrer Arbeit auf, bisweilen verstanden und ausgearbeitet als eine Metapher für die Erfindung und Konstruktion eines Lebenszwecks und eines Lebensstils.Wieder spielt die Idee einer inneren, in jedem von uns versteckten Dimension eine wichtige Rolle in diesem Konzept. Diese Dimension wird als der Kern unserer Existenz und unsere Identität angesehen. Folglich reflektiert die Metapher der Baustelle die zugleich fragilen und produktiven Beziehungen zwischen Körper, Geist und Seele.
 
Kunstraum Authentic, 16. Internationale Photoszene, Köln  Dr. Christian Krausch, 2000
 
 
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Energetisches Potential
Türen und Fenster sind Öffnungen der Häuser. Durch sie betritt und verläßt man sie und nimmt Kontakt zwischen innen und außen auf – wie umgekehrt. Christiane B. Bethke gewinnt ihre Objekte, indem sie durch entsprechende Schnittführungen die Ent- funktionalisierung zwar noch weiter vorantreibt, den Tür- und Fensterfragmenten aber ein Gutteil ihrer aus der früheren Funktion her rührenden Beweglichkeit beläßt.
 
Auf den Boden gelegt oder an Wände gelehnt, bar jeden Sockels oder jeder vermittelnden Präsentationshilfe, warten sie auf "Auslegung"- was man wörtlich nehmen muß, schließlich gibt es nicht "die" verbindliche Positionierung, sondern viele, die wesensimmanent sind und der eingreifenden Interpretation bedürfen.
Und mit dem Wechsel des Präsentationsortes sowie in der Kombination mit anderen, nachbarschafts- suchenden und -bildenden Objekten potenziert sich das Ausdrucksvermögen, steigert sich diese Wandlung, indem neue Beziehungsfelder erschlossen werden. Das energetische Potential, das den Objekten innewohnt, haben sie gewonnen, als sie mit Künstlerhilfe selbst die Reste des funktionalen Ballastes abstreiften.
 
Die verbliebenden Elemente belegen Fläche und Raum, greifen aus und verweisen, strecken und richten sich, fordern ein und ziehen an.Ihre neue Gerichtetheit ist eine allumfassende, vieldimensionale, eine, die über die Anschauung das Vorstellungsvermögen vitalisiert: Grenzen offen.
 
Zerlegwandlung, Skulpturenmuseum Glaskasten Marl  Klaus Flemming, 1999
 
 
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"Kunst ist kein Luxus, sondern Form von Hoffnung — und die
Suche nach neuen Werten in unserem menschlichen DaSEIN."

Diese Worte über die Kunst und vor allem wohl auch über das Leben stammt von der Mönchengladbacher Künstlerin Christiane Bethke, die nicht nur bemerkenswerte künstlerische Arbeiten und Projekte schafft, sondern mit ihren Gedanken über Kunst und Leben zutiefst ins Zentrum trifft. In einer Zeit fortschreitenden, stetig wachsenden Wissens, mitten in der viel beschworenen Wissens- und Informationsgesellschaft, in postindustrieller Gesellschaft, die Peter Glotz treffend als "digitalen Kapitalismus" bezeichnet, mutet ein Wort von Hoffnung seltsam, eher befremdlich an. Wozu braucht es noch Hoffnung, wo wir doch alles selbst zu schaffen in der Lage sind oder zumindest dies wohl glauben? Wozu noch irgendwem und irgendwas vertrauen, hoffen auf, wo uns die Zauberworte, die Mythen der Jetztzeit von Globalisierung, stetigen und wirksamen Veränderungsprozessen, Wandlungsnotwendigkeiten und -chancen, von Deregulierung und Individualisierung in den Ohren und manchmal auch in den Herzen tönen ...? ... dem Leben und sich selbst, dem eigentlichen Selbst gar, auf die Spur zu kommen, dies ist kein Luxus, sondern Hoffnung.
 
Karl-Heinz Hermanns, 1999
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