Heaven and Earth

Kunst - Raum - Begegnung

Die Generatorenhalle, erbaut 1905, mit ihrer üppigen Gestaltung im Inneren, dem Kachelboden und den bogenförmigen Wandnischen, hat einen starken Eigencharakter. Die besondere Wirkung dieser Halle inspirierte die beiden Künstler Christiane B. Bethke und Rainer Kiel zu der Ausstellung Heaven and Earth.

Angelehnt an ihre künstlerische Ausrichtung war es naheliegend, den Heaven von Rainer Kiel durch eine seiner Mobiles füllen und Christiane B. Bethke den Bereich Earth/Erde durch eine für sie typische Streuung umsetzen zu lassen.

So wurde der Himmel mit einem minimalistischen Mobile aus alten Vynilplatten erfüllt. Diese Klarheit passte sich gut in die architektonische Üppigkeit der Halle an.

Christiane B. Bethke konzentrierte sich auf das Ebenerdige. Sie fokussierte sich auf eine klare Sichtbarkeit ihrer Installation, die die vorgegebene Struktur der Bodenfliesen einerseits bricht, anderseits fast unmerklich ergänzt. In Farbe und Form spiegelt sich bei ihrer Installation das Werk von Rainer Kiel und umgekehrt.

Earth

Earth – Erde wird nicht nur symbolisch verstanden. Mehr als 650 l Erde verteilt Christiane B. Bethke auf 30 von ihr definierte Flächen. Auf diese Erdenfläche setzt sie Akzente: Halbkugeln aus Erde, mit Kreide abgepudert. Erhebungen auf dunklem Grund.

Diese Erhebungen wurden nicht willkürlich gewählt. Sie enthalten lesbare Botschaften. Von Weitem mögen sie wie überdimensionierte Domino-Steine wirken, doch handelt es sich hier um das von Louis Braille 1839 entwickelte Punktschriftsystem, eine „Schrift“, die haptisch erfasst wird, um Menschen mit Sehbehinderung ein Lesen zu ermöglichen. Der Sehende erfasst die Botschaft über das Auge, der Sehbehinderte über den Tastsinn.

Christiane B. Bethke kehrt dieses Verhältnis um. Die Sehenden werden zum Tastenden. Die Botschaften ihrer Installation können erst dann in ihrer Vollständigkeit erfasst werden, wenn wir uns darauf einlassen, das Sichtbare durch das das Fühlbare zu ersetzen. So konnten die Besucher der Ausstellung neben dem optisch Sichtbaren auch den Subtext mithilfe einer bereitliegenden Übersetzungshilfe erfahren.

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Kunst schafft Begegnung